Rechtsform | Die Wahl der Rechtsform: Ein Vergleich


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Jede Exististenzgründerin bzw. jeder -gründer muss sich für eine bestimmte Rechtsform entscheiden.
Da jede Rechtsform ihre Vor- und Nachteile hat, muss die Wahl individuell unter Beachtung von verschiedenen Aspekten erfolgen. Dabei ist sicherlich auch zu beachten, dass die Rechtsform selbst auch ein bestimmtes Image haben kann.

Die Entscheidungsbefugnis
Wollen Sie in ihrem Unternehmen allein bestimmen? Wenn für Sie große unternehmerische Unabhängigkeit – und die damit verbundene alleinige Verantwortung – wichtig ist, dann sollten Sie sich für ein Einzelunternehmen oder für eine "Ein-Mann/Frau-GmbH" entscheiden. Mit der Gründung im Team haben Sie die Chance, zuverlässige und motivierte Mitstreiter zu gewinnen. Außerdem steht bei mehreren Gründern in der Regel auch mehr Eigenkapital zur Verfügung. Sie teilen allerdings nicht nur das Risiko, sondern auch den Gewinn. Außerdem sind zeitaufwändige und nervenaufreibende Abstimmungsprozesse möglich. Geeignete Rechtsformen sind neben der GmbH vor allem die GbR bzw. die OHG.

Die Formalitäten
Bei der Rechtsformwahl sollten Sie auch an die damit verbundenen Formalitäten denken, die je nach Rechtsform sehr unterschiedlich sein können. Für Gründer stellen sie häufig eine hohe Belastung dar. Es fehlt ganz einfach die notwendige Routine und Zeit, um die Bürokratie schnell zu bearbeiten. Der geringste bürokratische Aufwand fällt bei einem Einzelunternehmen (Nichtkaufmann) und der GbR an. GmbH oder AG hingegen sind schon allein deswegen komplizierter in der täglichen Handhabung, weil es sich um eigenständige Rechtspersönlichkeiten handelt. Die Rechtsform hat Einfluss darauf, ob ein Unternehmen buchführungspflichtig ist oder nicht. So ist eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung wesentlich einfacher zu erstellen als eine doppelte Buchführung samt Jahresabschluss. Unabhängig von der Buchführungspflicht ist ein detaillierter Überblick über das Geschäftsgeschehen von großer Bedeutung für die Unternehmenssteuerung. Deshalb sollte der Aspekt der Buchführung für die Entscheidung der Rechtsform nur eine untergeordnete Rolle spielen. Größere Kapitalgesellschaften müssen ihre Buchführung und ihren Jahresabschluss durch einen Wirtschaftsprüfer prüfen lassen. Dies ist in der Regel mit erheblichen Kosten verbunden. Weiterhin müssen sie wichtige Kennzahlen veröffentlichen. Betroffene Unternehmen scheuen sich oftmals, diese Daten auf den Tisch zu legen, weil sie sich im Konkurrenzkampf Nachteile ausrechnen.

Die Eintragung in das Handelsregister
Grundsätzlich kann sich jeder Gewerbetreibende ins Handelsregister eintragen lassen; Kaufleute müssen sich eintragen lassen. Ein Kaufmann ist jeder Gewerbetreibende für dessen Unternehmen nach Art und Umfang ein kaufmännische Betriebsführung notwendig ist. Auch GmbH, KG und OHG sowie AG gelten immer als Kaufleute. Die Eintragung gibt dem Unternehmen ein seriöses und professionelles Image. Sie bringt allerdings eine Vielzahl an Pflichten mit sich: Das umfasst beispielsweise die Pflicht, auf Geschäftsbriefen neben dem Namen, die Rechtsform, den Sitz und die Registernummer aufzuführen.

Die Haftung
Ein wesentlicher Vorteil der Kapitalgesellschaften besteht darin, dass die Haftung der Gesellschafter auf ihre Einlage beschränkt bleibt. Dies ist immer dann von großer Bedeutung, wenn zum Beispiel folgenschwere Gewährleistungsrisiken eingegangen werden. Gegenüber Kreditinstituten bieten GmbH und AG hingegen keinen wesentlichen Vorteil, da diese bei der Kreditvergabe persönliche oder dingliche Sicherheiten der Gründungs-Gesellschafter einfordern. Eine volle persönliche Haftung gehen Gründer ein, die im Rahmen von Einzelunternehmen, GbR oder OHG gründen sowie der Komplementär einer KG. Dies macht diese Rechtsformen allerdings auch besonders kreditwürdig.

Das Mindestkapital
Ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestkapital gibt es nur für die GmbH (25.000 €) und für die AG (50.000 €). Bei allen anderen Rechtsformen lässt sich auch ohne ein Mindestkapital gründen.

Die Gründungskosten
Die Gründungskosten setzen sich – neben der Gebühr für die Gewerbeanmeldung – aus Notar-, Gerichts-, und Veröffentlichungskosten zusammen. Zusätzlich können Beratungskosten und Anwaltskosten für die Ausarbeitung der Gesellschafterverträge anfallen. Die Gründungskosten sind je nach Rechtsform breit gestaffelt. Am günstigsten ist die Gründung eines Einzelunternehmens (als Kleingewebetreibende) mit rund 30 Euro. Die Gründung einer GmbH hingegen schlägt bereits mit rund 1250 Euro zu Buche. In vielen Fällen ist es sinnvoll, klein anzufangen und die Rechtsform mit wachsender Unternehmensgröße anzupassen. Die Rechtsformwahl stellt immer eine komplexe Entscheidung dar, die erst nach reiflicher Überlegung und unter Berücksichtigung von vielen Aspekten getroffen werden sollte. Aus diesem Grunde sollte immer eine professionelle Beratung sowie die individuelle Prüfung voran gehen. Mit Blick auf die Besteuerung der Unternehmen lässt sich feststellen, dass es die optimale Rechtsform unter Steuergesichtspunkten nicht gibt.

(Quelle: IHK Hannover)

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