Existenzgründung | Eine grundsätzliche Einführung


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Was ist eine Existenzgründung?
Es geht also um Ihre berufliche Selbstständigkeit. Aber was ist nun eigentlich eine Existenzgründung? Der Begriff spricht zunächst dafür, dass ein gewerbetreibendes Unternehmen oder eine Praxis oder ein Büro in freiberuflicher Tätigkeit gegründet wird. Das ist aber nur eine von mehreren Möglichkeiten, zu denen allerdings zum Beispiel auch die Unternehmensgründung im Rahmen einer Partnerschaft mit einem Franchisegeber gehört. Sie können sich aber auch weitgehend mit den gleichen öffentlichen Hilfen dadurch selbstständig machen, dass Sie in die Geschäftsführung eines bestehenden Unternehmens mit einem Gesellschaftsanteil einsteigen (sog. tätige Beteiligung, ab mindestens 10% Gesellschaftsanteil). Oder Sie können ein Unternehmen bzw. eine Praxis voll übernehmen. Andererseits ist nicht jede Unternehmensgründung eine Existenzgründung. Denn Existenzgründung ist das personenbezogene erstmalige oder in bestimmten Fällen erneute Selbstständigmachen zur Schaffung einer eigenen beruflichen Existenzgrundlage.

Existenzgründung im fördertechnischen Sinne ist das erstmalige berufliche Selbstständigmachen oder als Wiedergründung nach vollständiger Aufgabe der vorangegangenen selbstständigen Tätigkeit, der Start in eine neue Selbstständigkeit
  • in einer anderen Branche
  • an einem anderen Standort mit völlig neuem Kundenkreis
  • nach einer Pause von mehreren Monaten
  • mit wesentlich neuen Produkten oder Dienstleistungen

Nebenerwerbsgründungen werden je Antragsteller nur bis 50.000 € Fremdkapitalbedarf (max. 20.000 € Betriebsmittelbedarf insgesamt) und auch nur dann gefördert, wenn mittelfristig ein Haupterwerb angestrebt wird.

Wenn Sie Unternehmer werden wollen, müssen Sie sich zunächst die Frage nach der Art der unternehmerischen Tätigkeit stellen. Dabei sind vier generelle Gründungsarten zu unterscheiden:

1. Neugründungen mit System
Die Neugründung ist mit dem größten Risiko verbunden, eröffnet aber auch unter Umständen die größten Chancen, insbesondere wenn man mit seinem Unternehmen wirtschaftliches Neuland betritt. Sie beginnen bei null, müssen sich den Markt zunächst "erarbeiten", um sich dann langsam zu etablieren. Der Zeitraum bis zur Etablierung wird in der Regel durch eine angespannte finanzielle Situation gekennzeichnet sein, da (ausreichende) Überschüsse in der Anfangsphase zunächst ausbleiben werden. Agieren Sie in einem Marktbereich, der bereits von anderen Wettbewerbern bearbeitet wird, kann es auch dazu kommen, dass diese gerade in Ihrer Anfangszeit unter anderem mit aggressiver Preisgestaltung auf Sie als neuen Wettbewerber reagieren werden. Durchhaltevermögen und ein langer finanzieller Atem sind dann gefragt. Existenzgründer sind aufgrund ihrer geringen Eigenkapitalbasis hier häufig überfordert. Auf den Preis als Wettbewerbsinstrument zu setzen, kommt deshalb in der Regel nicht in Betracht. Die Geschäftsidee sollte möglichst mit einem Alleinstellungsmerkmal verknüpft sein.

Kurzum: Sie müssen mit der Gestaltung und der Präsentation Ihres Produktes oder Ihrer Dienstleistung die Frage eindeutig beantworten, warum der Kunde bei Ihnen und nicht bei der Konkurrenz einkaufen soll.

2. Übernahme eines bestehenden Betriebes
Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens kann eine interessante Alternative zur Neugründung sein. Aber von wegen "Gründung im gemachten Nest" - Das Vorhandene will sorgfältig geprüft und ein Übernahmefahrplan erarbeitet werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass eine Unternehmensnachfolge oft schwieriger ist als eine Unternehmensneugründung. Dies lässt sich teilweise mit der starken Prägung gerade mittelständischer Unternehmen durch ihren bisherigen Besitzer begründen. Scheidet dieser aus dem Unternehmen aus, können sich unter Umständen Kunden von der Firma abwenden (allein weil sich der Name geändert hat) und bisher vorhandene Kontakte des Seniors können nicht mehr genutzt werden. Auch können Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, das Know-how und die Kundenkontakte dieser Mitarbeiter gehen verloren und müssen in jahrelanger Arbeit mühsam wieder aufgebaut werden. Die Höhe des Übernahmepreises ist ebenfalls häufig ein kritischer Punkt. So werden oft überzogene Preise für den Kundenstamm und den Unternehmensnamen verlangt, die die Finanzierung erschweren. Nicht selten besteht dann die Gefahr Zins und Tilgung für einen zu hohen Kredit nicht zurückzahlen zu können.

Kurzum: Wenn Sie sich für diese Variante der Selbstständigkeit entscheiden, müssen Sie sich mit besonderen Problemen auseinandersetzen. Zudem gilt auch hier: die Erstellung eines schlüssigen Unternehmenskonzeptes ist unerlässlich.

3. Tätige Beteiligung
Die tätige Beteiligung ist eine weitere mögliche Form der Existenzgründung. Sie wird durch die "aktive Mitunternehmerschaft" charakterisiert. Aktiv in diesem Sinne heißt, die Wahrnehmung der Geschäftsführungsfunktion (zum Beispiel in einer GmbH) nach außen. Die Mitunternehmerschaft erfordert ausreichende Einflussmöglichkeiten auf die Geschäftspolitik des Unternehmens durch Wahrnehmung von Stimmrechten (mindestens 10 Prozent) in der Gesellschafterversammlung.

4. "Miete" einer Unternehmensidee (Franchising)
Beim Franchising kaufen Sie kein ganzes Unternehmen, sondern nur eine Unternehmensidee, die ein sogenannter Franchise-Geber in Lizenz vertreibt (zum Beispiel Mc Donald’s, Eismann, Photo Porst etc.). Hierfür zahlen Sie eine einmalige Einstands-, sowie eine jährliche Franchisegebühr, die sich für gewöhnlich am Umsatz (!) orientiert. Desweiteren werden häufig auch Gebühren für Werbemaßnahmen erhoben.

Sowohl der Franchise-Geber (Vermieter des Konzeptes) als auch der Franchise-Nehmer (Mieter des Konzeptes) bleiben dabei selbstständig. Der Reiz dieses Systems besteht in den Verbundvorteilen (gemeinsamer Einkauf, gemeinsames Marketing, bundesweite oder sogar internationale Bedeutung des Angebotes). Auch haben Sie den Vorteil, dass Sie keine eigene Geschäftsidee  entwickeln müssen. Der Nachteil ist, dass Ihr eigener unternehmerischer Rahmen eng gesteckt ist. Auch kann insbesondere die Vertragsgestaltung ein Problem sein. Seien Sie kritisch gegenüber solchen Verträgen, die Sie in fast allen Investitionsentscheidungen an Produkte des Franchise-Gebers binden und vergewissern Sie sich, wenn mit ausländischen Erfolgen geworben wird, ob der Franchise-Geber überhaupt im Inland vertreten ist - vielleicht sind Sie sonst das Versuchskaninchen auf dem deutschen Markt!

Letztlich sollten Sie auch eine Geschäftsidee, die Sie kaufen, vorher auf ihren Gehalt hin überprüfen. Franchising ist keine “Existenzgründung light“. Fordern Sie Ihren Franchise-Geber beim Erstellen Ihres Unternehmenskonzeptes.

(Quelle: IHK24)

 

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